Vom 19. Februar 2013

Studie: Deutsche nutzen niedrige Zinsen zu selten für eine Umschuldung

Studie: Deutsche nutzen niedrige Zinsen zu selten für eine Umschuldung © Michael Kappeler/ddp

Das anhaltend niedrige Zinsniveau hat in Deutschland in den vergangenen beiden Jahren zu einem regelrechten Bauboom geführt, der sich auch 2013 weiter fortsetzt. Dabei profitieren aber nicht nur aktuelle und zukünftige Bauherren von den weiterhin niedrigen Zinsen, sondern auch wer schon jahrelang in seinen eigenen vier Wänden wohnt, kann dadurch bares Geld sparen.

Hintergrund ist, dass bestehende Kreditverträge nach zehn Jahren Laufzeit jederzeit mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten gebührenfrei durch einen anderen Kredit abgelöst werden können, der auch von einer anderen Bank stammen kann. Wer also vor dem Jahr 2003 einen Kredit mit einem festen Zinssatz aufgenommen hat, bezahlt aktuell in den allermeisten Fällen viel zu viel Zinsen. Waren damals noch Zinssätze von rund fünf Prozent und um den Jahrtausendwechsel sogar sechs Prozent üblich, liegt der durchschnittliche Zins für zehnjährige Baukredite heute bei lediglich 2,6 Prozent. Die mögliche Ersparnis ist abhängig von der Restsumme des Kredites enorm. Sind noch 100.000 Euro abzuzahlen, lassen sich mit einem Wechsel des Kreditgebers und einer Reduzierung des Zinssatzes von 5,0 auf 2,6 Prozent über zehn Jahre etwa 20.000 Euro sparen.

Von dieser Möglichkeit machen laut einer aktuellen Studie des Instituts für Finanzierung der Universität Hamburg aber viele Hausbesitzer nicht Gebrauch. So verschenken Immobilienkreditnehmer bis zu acht Milliarden Euro, weil sie es versäumen, den alten, teuren Kredit in einen neuen, deutlich günstigeren umzuwandeln.

Dabei ist es keineswegs schwierig, sich einen neuen Kredit zu verschaffen und den alten damit abzulösen. Es genügt dank der Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) eine formlose Kündigung eben sechs Monate vor Beginn des neuen Vertrages. Einen neuen Kredit kann man sich bei den meisten Banken im Übrigen auch schon deutlich vor Ende der zehnjährigen Frist sichern. In der Regel kann man sich schon heute eine Anschlussfinanzierung für Ende des laufenden Jahres oder sogar schon für das nächste Jahr sichern.

Der Vorteil liegt dabei darin, dass man sich die aktuell gültigen Zinsen sichern kann und auch nicht mehr bezahlt, wenn die Zinsen bis zum Zeitpunkt des vereinbarten Vertragsbeginns steigen. Derzeit macht dies in jedem Fall Sinn, da eher nicht damit zu rechnen ist, dass die ohnehin schon historisch niedrigen Zinsen weiter fallen. Im Gegenzug ist ein Anstieg aber nicht auszuschließen und schon jeder Zahl hinter dem Komma macht bei fünf oder sechsstelligen Summen Jahr für Jahr einiges aus.

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